Exultate!

Die italienische Halbinsel, eine der Wiegen der abendländischen Mehrstimmigkeit, wartet seit der Renaissance mit einer Vielzahl an prachtvollen polyphonen Werken auf, die ebenso wie ihre Schöpfer von der Bedeutung dieser Epoche für Europa zeugen. Die Entwicklung der Mehrstimmigkeit in Italien wurde seit dem 17. Jh. von zwei einschneidenden Ereignissen geprägt: Die Gegenreformation untersagte den Gebrauch von Instrumenten während der Liturgie, um dem Wort Vorrang vor der Musik zu verschaffen, und die Entstehung der Oper rückte den Sologesang in den Vordergrund. Trotz dieser Einschränkungen sind aus jener Zeit einige Perlen der mehrstimmigen Vokalmusik überliefert.

Domenico Scarlatti (1685-1757), ein neapolitanischer Barock-Komponist, der seine zweite Lebenshälfte in Madrid verbrachte, widmete sich vorrangig der Komposition von Werken für Tasteninstrumente. Sein Magnificat ist eine wundervolle, ganze zwölf Minuten dauernde Lobpreisung der Maria auf Texte aus dem Lukas-Evangelium, die er polyphon und klangmalerisch umsetzte. Dieses Werk steht im Mittelpunkt des 1. Konzertteils.

Das riesige Lebenswerk von Alessandro Scarlatti (1660-1825), Domenicos Vater und Star des neapolitanischen 17. Jh., umfasst 115 Opern, 799 Kantate, 200 Messen und zahlreiche Oratorien und Instrumentalstücke. Aus seinem Schaffen hören wir die Motetten Exultate Deo und Exaltabo te Domine.

Antonio Lotti (1667-1740) hatte venezianische Wurzeln und machte international Karriere: Sein Vater Matteo wirkte in Hannover; er selbst lebte in Dresden und widmete sich hauptsächlich der Oper. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er wieder in Venedig, als Kapellmeister an San Marco. Auf dem Programm stehen die drei Motetten Benedicam Dominum, Regina coeli und Laudate Dominum.

Während der nächsten zwei Jahrhunderte wurde die italienische Musikkultur hauptsächlich von der sich stetig entwickelnden Oper geprägt und der Ensemblegesang rückte in den Hintergrund.

Im 20. Jh. kamen wichtige Impulse zum gemeinsamen Singen unter anderem von Experimentalisten der Avantgarde, wie Luigi Nono, Giacinto Scelsi oder Luciano Berio.

Der Mailänder Bruno Bettinelli (1913-2004) wurde zu einem zentralen Repräsentanten dieser neuen Chormusik in Norditalien. 1996 erhielt er den Auftrag, anlässlich des 1600-jährigen Todesjahres von Mailands Schutzheiligem Ambrosius einige seiner Texte zu vertonen. So entstand das Dittico Ambrosiano, mit dem bekannten Satz Aurora. Der längste, aber weniger bekannte Teil des Dittico, das Deus creator omnium, wird zum Mittelpunkt der zweiten Programmhälfte.

Pietro Ferrario (*1967) ist ein bekannter Komponist und Chorleiter aus der Gegend von Mailand und ein Schüler Bettinellis. Seine Musik ist facettenreich und bevorzugt einen liedhaften Stil, was Stücke wie O sacrum convivium und Panis angelicus belegen.

Corrado Margutti (*1974) wirkt in der Gegend von Turin und beschäftigt sich vor allem mit Volksweisen und weltlichen Gesängen. Wir hören von ihm zwei marianische Stücke. O gloriosa ist ein klug aufgebauter Kontrapunkt über dem entsprechenden Gregorianischen Choral, während sich im Ave maris stella ein interessantes Nebeneinander von lateinischen Worten aus dem Choral und Teilen aus Nietzsches Die fröhliche Wissenschaft ergibt.

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Programm

Domenico Scarlatti
(1685-1757)

 

Alessandro Scarlatti
(1660-1725)

 

Antonio Lotti
(1667-1740)

 

 

Bruno Bettinelli
(1913-2004)

Pietro Ferrario
(*1967)

Corrado Margutti
(*1974)

Magnificat

Exaltabo te Domine 

Exultate Deo 

​Benedicam Dominum  

​Regina Coeli  

Laudate Dominum

Deus creator omnium 

O sacrum convivium 

Panis angelicus 

Ave maris stella

O gloriosa

In Planung:
Ort und Datum werden noch bekannt gegeben.

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Exultate!

Chorwerke zweier Epochen der italienischen Musikgeschichte

Die Faszination der italienischen a cappella Musik in Zeugnissen aus ruhmreicher Vergangenheit und facettenreicher Gegenwart: Hauptwerke sind das Magnificat von Domenico Scarlatti aus den Anfängen des 18. Jh. sowie das Deus creator omnium von Bruno Bettinelli aus dem Jahr 1996.

Diese beiden grossen Werke werden von jeweils gleichzeitig entstandenen kürzeren Kompositionen von Alessandro Scarlatti, Antonio Lotti, Pietro Ferrario und Corrado Margutti umrahmt, die Gottes- und Marienlob verkünden.